Ein aufregendes Abenteuer
oder
Liebe auf den zweiten Blick
Manchmal habe ich mich gefragt, hat moderne Technik und Kommunikation nur für die Geschäftswelt und für jüngere Leute stattzufinden? Warum können Computer, E-Mails, Internet, Scanner usw. nicht auch für Senioren interessant sein? Neugierig wäre ich schon auf so etwas, doch wie und wo erlernen? Und würde man das überhaupt noch begreifen? Bekannte von mir im Rentenalter, die schon einmal für teures Geld in einer Schule über diese Materie etwas lernen wollten, haben nach den ersten Kurstagen alles wieder „hingeschmissen“. Sie behaupteten, dass der umfangreiche Lernstoff in zeitlich begrenzten Kursen für ältere Menschen kaum zu schaffen ist. Vielleicht hatten sie recht und man sollte sich lieber mit einfacheren Dingen beschäftigen!
Wie es nun der Zufall will, bekam ich Anfang Februar 2001 vom „Förderverein Altenzentrum Ansgar“, in dem ich seit seiner Gründung Mitglied bin, die üblichen Wünsche für ein gutes neues Jahr. Jeder Mitteilung waren meistens Fotokopien von Zeitungsartikeln beigefügt, die schon sehr oft recht gute Informationen enthielten.
Dieses mal „sprang“ mir eine Überschrift in die Augen:
Na ja, dachte ich, für mich ist das sowieso nichts mehr und außerdem werden die Kosten in keinem Verhältnis zu dem Nutzen stehen; las dann aber doch weiter.
Das anzuwendende Prinzip sollte sein:
Lernen und dabei das Lerntempo selbst bestimmen,
sich mit Gleichaltrigen austauschen,
anderen das Gelernte vermitteln,
bei einer Aufnahmegebühr von DM 30.00
und einem monatlichen Beitrag von DM 10.00
Ziemlich ungläubig und verdutzt schaute ich drein. Man konnte nur hoffen, dass die Angaben zum Beitrag kein Druckfehler waren; Lerntempo selbst bestimmen im Kreise von
Gleichaltrigen hörte sich eigentlich auch nicht schlecht an; und das Ganze nur 10 Autominuten von mir entfernt.
Ja, und dann war es auf einmal passiert! Der „Schlag traf mich auf der Stelle“ und in Bruchteilen von Sekunden hatte es mich voll und ganz erwischt. DAS WOLLTE ICH NUN DOCH EINMAL AUSPROBIEREN !!! Vielleicht wäre es dann möglich, bei den Kindern und Enkeln ein kleines Wörtchen in Punkto Computer mitzureden und nicht so unwissend dazustehen; und wer weiß, wozu das auch sonst noch nützlich sein könnte!
Das waren ja nun völlig neue Perspektiven! Wie sagt man so schön: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Ohne viel wenn und aber wurde ich im April 2001 Mitglied im
Deutschen Senioren Computer Club Hamburg e.V.
Am Anfang hatte ich keinen blassen Schimmer von dem ganzen modernen Zeug und fing bei Null an. In meiner Brust schlugen Euphorie und Zweifel, aber dennoch stürzte ich mich in dieses Abenteuer.
Die Probe aufs Exempel begann!
Obwohl Herr Behrens, bei dem ich meinen ersten „Word“ – Kursus machte, uns in aller Ruhe Stück für Stück an alles heranführte und erklärte, war es für mich ganz schön verwirrend:
Software, Hardware, Monitor, Desktop, die Unterscheidung der
Verschiedenen Leisten (Titel-, Symbol-, Menü-, Task- usw. usw.),
die ganzen Sonderzeichen auf der Tastatur,
die Handhabung der Maus usw.
Trotzdem schafften wir es, eine Tabelle mit Anschriften zu erstellen und vieles mehr.
Spätestens am zweiten Kurstag merkte ich aber, dass ohne eigenen Computer zu Hause die ganze Anstrengung und Mühe umsonst war, denn ohne fleißiges Üben war das Erlernte ganz schnell vergessen und man konnte ja nun nicht jeden Tag in den Club gehen, auch wenn die Möglichkeit dazu bestand. Sollte ich mir wirklich so einen Computer anschaffen? Vielleicht ist das ja rausgeschmissenes Geld?! Aber nun hatte ich A gesagt, also musste ich auch B sagen!
Jetzt war Herr Zimmermann meine Rettung! Er unterstützte mich in jeder Weise bei der Anschaffung und Einrichtung meines Computers und allem, was dazugehört. So viel Hilfsbereitschaft war etwas völlig neues für mich. Bereits im Mai 2001 konnte ich zuhause am eigenen Computer vieles nachvollziehen – und dann ging alles Schlag auf Schlag.
Nach dem Sommerbetrieb, in dem das Clubleben etwas eingeschränkt weitergelaufen war, hatte man alle Computer im Club ans Internet angeschlossen und da wurde es für mich noch spannender. Im September stand die Premiere für meine erste E-Mail bevor. Ein guter Freund in China sollte damit zum Geburtstag überrascht werden. Mit Hilfe von Herrn Zimmermann ging dann alles reibungslos über die „Bühne“ und es war schon beeindruckend, diesen Gruß mit einem Mausklick auf „Senden“ tausende von Kilometern in sekundenschnelle dem Empfänger zu übermitteln. Ende September hatte ich dann über ein Modem auch meinen eigenen Internetanschluss. Zur besonderen Freude meiner Kinder und Enkel, die übrigens sehr stolz auf die moderne Oma sind (das beflügelt natürlich auch meinen Tatendrang!), verging nun kaum ein Tag ohne ein- und ausgehende E-Mails. Manchmal enthält diese elektronische Post auch ganz lustige Bilder und Fotos, was unter Zuhilfenahme eines Scanners möglich ist.
Ab Herbst 2001 suchte ich mir von den vielen im Club angebotenen Neigungsgruppen den „Rezeptekurs“ aus; nicht, weil ich Rezepte benötigte, sondern weil das Grafikprogramm „Corel Draw“ dort sehr eingehend von Frau Haars und Herrn Dr. Droth erklärt wurde. Und nicht nur das, auch Fragen zu Word, E-Mails, Internet, Installation und vieles mehr wurden beantwortet.
Die „Rezeptler“
wuchsen
zu einer sehr netten Gruppe zusammen, die sich ständig gegenseitig hilft und wo
es immer ganz fröhlich zugeht; hin und wieder gibt es natürlich auch mal leckere
Sachen zum Probieren. Unser großes Vorbild bei der Arbeit ist unsere Seniorin
Frau Zenzes, die mit ihren 80 Jahren ( ich darf das sicher sagen, denn es ist in
diesem Fall ein ganz großes Kompliment!!) uns in keiner Weise nachsteht! Um das
Erlernte zu vertiefen, arbeiten wir beide auch außerhalb des Clubs öfter
zusammen und ergänzen uns hervorragend.
Ein erstes Ergebnis unserer Rezeptegruppe ist eine CD-ROM mit 63 Rezepten (auf dem Menüpunkt „Marktplatz“ können Sie diese auch bestellen), die in kreativer Arbeit, mit vielen guten Ideen und durch den unermüdlichen Einsatz von Frau Haars und Herrn Dr. Droth. entstanden ist. Eine zweite CD wird nun langsam in Angriff genommen und ich bin sicher, dass man uns noch viele Tipps und Tricks beibringen wird.
An dieser Stelle muß ich allen Lehrenden, die mich bisher betreut haben, ein Riesendankeschön sagen!! Wie oft fragen wir alle dasselbe noch einmal und mit einer Engelsgeduld wird alles doppelt und dreifach erklärt. Wo gibt es so etwas schon, und wer macht das in der heutigen Zeit ohne Honorar! Gefährlich wird es aber, wenn ein „Himmel, A.... und Zwirn“ ertönt! Dann haben wir einmal zu viel gefragt oder genervt! Aber auch dann kann man noch ein Augenzwinkern bei unserem aus Spaß ernannten „Ehrendoktor der Rezeptegruppe“ erkennen. Es ist schon toll!
Fotos bearbeiten ist ein weiteres Thema, welches mich sehr interessiert. Ich habe deshalb schon des Öfteren die Fotogruppe, die von Herrn Zimmermann geleitet wird, besucht und war jedes mal fasziniert, was da so alles über das Programm „Paint Shop Pro“ gemacht werden kann. Mitglieder dieser Fotogruppe haben auch eine CD-ROM mit vielen schönen Fotos vom Sommerfest 2001 gestaltet.
Wer mit Computern umgeht weiß, dass sie manchmal auch so ihre Tücken haben oder man ist zu ungeduldig damit umgegangen und dann „stürzt irgendetwas ab“. Ich kann nicht leugnen,
dass es besonders in der Anfangsphase so manchen Hilferuf von mir an die Lehrenden gab, aber meistens war alles schnell wieder behoben. Inzwischen bin ich über 1 Jahr im Club und kann allen zaghaften und unentschlossenen Anfängern nur sagen: „Trauen Sie sich was!“ Denn:

In der relativ kurzen Zeit meiner Clubzugehörigkeit habe ich unendlich viel gelernt. Wie man sieht, sind die „kleinen grauen Zellen“ doch noch nicht ganz eingerostet. Wenn es nicht zu kompliziert ist, kann ich nun auch zuhause mit PC, Scanner, Grafikprogramm (einschließlich Cliparts), Word und Drucker umgehen und sogar im Internet viele nützliche Dinge finden. Aber ich weiß nur zu gut, dass noch ein sehr großes Lernpensum vor mir liegt. Letztendlich bedeutet das aber bei uns im Club nicht Stress, sondern Freizeitvergnügen, Geselligkeit, kreative Arbeit und sehr viel Freude!
Dies’ alles würde ohne die geniale Idee von Herrn Heeren, nach dem Vorbild der Berliner auch in Hamburg so einen Club zu gründen, überhaupt nicht existieren und darum bin ich (und ich glaube auch alle Mitglieder!) ganz besonders ihm und allen Mitbegründern und Sponsoren sehr dankbar! Damit ist eine wunderbare und vor allem sinnvolle Einrichtung für ältere Menschen entstanden, die für viele eine große Abwechslung und Bereicherung
bedeutet. Deshalb darf diese Informationsquelle auch niemals versiegen! Mögen für die
Zukunft immer mehr Mitglieder bereit sein, einen bescheidenen Beitrag in Form von Mithilfe
zu leisten. Nur so kann ein Club dieser Art dauerhaft bestehen!
Helga Niehus Im Juni 2002